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St. Galler Tagblatt
Donnerstag, 6. März 2003


Jenseits der Horizonte

Ausstellung von Alain Mieg in der Galerie Raubach

Wann haben Sie zum letzen Mal die Wolken am Himmel beobachtet, sich die Zeit genommen, mit ihnen hinter dem Horizont zu verschwinden, um neue Welten zu entdecken? Wolkenmeister Alain Mieg lädt in seinen Bildern zu solchen Entdeckungsreisen.

von Daniela S. Herman

Auf den ersten Blick scheint Alain Mieg weite Landschaften malerisch festhalten zu wollen. Landschaften, in denen der Maler Weite und Unendlichkeit sucht: Ozean, weite grüne Felder, dunkle Erde und immer wieder ein Wolkenmeer darüber. Beim genauen Hinsehen entpuppen sich diese sorgfältig konstruierten Gebilde als Traumlandschaften, die der Ausstellung auch den Titel gaben. Alain Mieg erklärt: "Es sind Meditationsbilder, entstanden auf Basis meiner Träume und Meditation darüber, was jenseits der Horizonte sein mag."

Dazu fordert der Maler auch die Betrachter seiner Bilder auf: sich Zeit zu nehmen, um darin eigene Welten zu entdecken. Von verführerischer Leichtigkeit geprägt zeigt sich das Werk "Inspiration": Eine Fülle an hellen Blautönen überlagert sich in feinen, durchsichtigen Schichten, um eine Wasseroberfläche zu bilden, in der sich dichte Wolken spiegeln. Eine Nuance dunklerer Streifen deutet den Horizont an. Im Bild "Horizont" verwandelt sich das Meer in eine lichte rosagraue Fläche unter einem glühenden Wolkenhimmel, der am gelben Horizont endet.

Die heitere Ruhe, Gelassenheit und Weitsicht der Bilder berühren, wecken Assoziationen. Neu sind im Werk von Alain Mieg die dunklen Farben. Im "Danse des Nuages" wirkt der orange-farbige Himmel über der dunklen, fast schwarzen Grundfläche als Vorbote des Sturms, der symbolisch für eine Veränderung steht..

Dem Maler gelingt dabei eine harmonische Verbindung von Zartheit und Leichtigkeit seiner früheren Gemälde mit der bedrückenden Dramatik der dunklen Farbenflächen. Als Ausdruck der eigenen Hinterfragung haben sie Einzug in seine Werke gefunden und verleihen ihnen mehr Tiefe und Reife. Die Bilder werden zu Meditationsräumen, in denen sich Sehnsucht nach der Weite der unerreichbaren Horizonte, aber auch die Aengste vor dem, was jenseits des Horizonts sein könnte, wiederspiegeln und das Unsichtbare spürbar machen.

Bis 29.März. Künstler-Apéro am Samstag, 15. März, 12 -17 Uhr