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NZZ
DEZEMBER 2002


Räume für Träume

Alain Mieg in der Galerie Zäune 8

sru. Wie viele Horizonte kann man malen, ohne sich zu wiederholen? Der 1964 in Lenzburg geborene und dort arbeitende Alain Mieg ist auf dem besten Wege, mit der Beantwortung dieser Frage ins Guiness Book der Rekorde Einzug zu halten. Denn Alain Mieg malt Horizonte - und nichts als das. Das heisst: Mieg malt das Ungegenständliche gegenständlich. In unzähligen Variationen stellt er Traumräume dar, unbestimmte Zonen zwischen Himmel und Erde, eingetaucht in verschiedenartigstes Licht. Mal ahnt man den Horizont über dem Wasser, mal über einer Wüste oder einer Savanne, mal glaubt man den Horizont aus dem Weltraum wahrzunehmen, dann wieder auf einem Schiffchen sitzend oder im Staub liegend - jedenfalls stets aus der Perspektive unbestimmten Territoriums. Wichtig scheinen dem Künstler nur die verschiedenen Stimmungen zu sein und kein wie auch immer gearteter Realismus. Mit seinen Acrylfarben malt er Wolkentürme und Wetterstimmungen - und streift dabei auf seinen impressionistisch geprägten
Tafelbildern oft die Abstraktion. Das ist gefällig und verkauft sich laut der Galeristin Irène Ringier auch entsprechend. Alain Miegs Bilder strahlen Harmonie aus und können dadurch als willkommene, einfühlsame Projektionsflächen für Emotionen und Träume der Betrachtenden
dienen.

Zürich. Galerie Zäune 8 (Obere Zäune 8), bis 18. Januar 2003