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E N G A D I N E R
P O S T
Samstag, 04. März 2006
Ausstellung im Suvretta House
Himmel und Wolken als Orde der Sehnsucht
Wo Himmel und Erde sich berühren, wo Fluchtlinien sich im Horizont verlieren,
wartet die endlose Weite. Diese Weite, die zugleich auch das Seeleninnere reflektiert, hat der Lenzburger Maler Alain Mieg in unzähligen Gemälden festgehalten.
Mcj. Schon als Kind war Alain Mieg fasziniert vom Horizont, wollte wissen, was sich jenseits von Bergketten, Hügelkuppen oder Baumwipfeln befände. Diese Anziehung für die Ferne, das Verborgene jenseits der Horizontlinie hat den 1964 geborenen Kunstschaffenden, der in Lenzburg lebt, bis auf den heutigen Tag in Beschlag genommen. Schon früh hat Mieg auch seine Neigung für die Malerei entdeckt. Seit seinem Zwölften Lebensjahr malt er intensiv.
In seiner ersten Ausstellung in Graubünden und im Engadin präsentiert Mieg im Hotel Suvretta House jetzt einen Querschnitt aus seinem Werk der letzten vier Jahre. Knapp drei Dutzend Arbeiten sind im Atrio unter dem Motto „Himmel und Wolken“ ausgestellt. Es sind Acrylbilder unterschiedlichen Formats; das kleinste 30 auf 30, das Grösste 150 auf 200 cm gross. Die ungerahmten Farbflächen nehmen den Blick des Betrachters unmittelbar gefangen, fast magisch wird er ins Bild hineingezogen, zur Horizontlinie hin, die mal mittig, mal im oberen oder unteren Bildbereich angesetzt ist. Mal trennt diese den Himmel vom Meer, mal scheidet sie verschiedene Wolkenschichten, mal scheint sie Irdisches von Luftigem zu scheiden. Dazwischen Himmel und Wolkengebilde in allen möglichen Formen, aber auch an Wüsten – oder Erdlandschaften gemahnende Ebenen. Recht naturhaft dargestellt und gleichzeitig über sie hinausweisend.
Die Saugkraft dieser Landschaften ist enorm. Über ihren realistischen Ansatz hinaus sind es klar Seelenlandschaften, die hier dargestellt sind. Eindrücke und Zustände, wie sie Mieg aus seinen Nachtträumen in den Tag hinüberrettet, um ihnen anschliessend gestalterischen Ausdruck zu verleihen.
Die meisten dieser Himmel-Wolkenlandschaften drücken Ruhe und Weite aus, in unendlichen Nuancen fliessen Blau-, Grau- und Grüntöne ineinander über, durchbrochen von orangenen Flecken oder einem leuchtend weissen Streifen am Horizont. Es ist das (Sonnen-) Licht, das von den verschiedensten Wolkenstrukturen reflektiert oder absorbiert wird. Mal ist es nur in Ansätzen präsent, mal scheint es den ganzen Abendhimmel ausfüllen zu wollen.
Von diesen Gemälden geht eine eigentümliche Stimmung aus. Einigen haftet aufgrund ihres Hell-Dunkel-Kontrastes und Farbnuancen bis ins Schwarz eine dramatische, spannungsgeladene Atmosphäre an. Im Grossteil der Bilder taucht der Betrachter in eine friedlich stimmende Welt ein, fliegt über Wolken in ein glückseliges Nirwana.
Damit diese Farblandschaften zu Projektionsflächen werden, muss Mieg eine ausgefeilte Maltechnik anwenden. Nicht so was das Werkzeug, Pinsel verschiedener Breite anbelangt oder die Acrylfarben, die er teils mit selbstgefertigten Farben aus Pigmenten und Emulsionen ergänzt, sondern vielmehr die Art und Weise, wie diese Farben aufgetragen werden. Mieg lässt sich Zeit für die Entwicklung eines Bildes. Gewöhnlich arbeitet er an verschiedenen Gemälden gleichzeitig. Überarbeitet das eine, bis er nicht mehr weiter kommt; konzentriert sich auf ein anderes. Bis zu 20 Malschichten durchmengen sich bei dieser Arbeitsweise. Die in Lasuren aufgetragenen Farbschichten nehmen je nach Lichtqualität und Einfallswinkel ein Vielzahl von Tonnuancen ein.
Insofern wird es dem Betrachter nicht langweilig sich in diesen beruhigenden Himmels- und Seelenlandschaften aufzuhalten. Genauso wenig wird es dem Maler langweilig, in immer neuen Variationen seinen inneren Himmel auszukundschaften.
Die Gemäldeausstellung ist bis zum 2. April zu sehen, der Künstler bis zum 18. März jeweils
von 10 – 22 Uhr anwesend.
Marie-Claire Jur
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