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AARGAUER ZEITUNG
14. NOVEMBER 2003


Wo sich Himmel und Erde begegnen

Lenzburg. Alain Mieg, « créateur des rêves », lädt erstmals zur Ausstellung in sein Atelier ein.

Heiner Halder

„Jetzt ist die Zeit reif, um mich in Lenzburg den Lenzburgern vorzustellen“. Das sagt einer, der hier aufgewachsen ist, Spross einer bekannten Lenzburger Künstlerfamilie, und immerhin seit einigen Jahren wieder zurück in der Vaterstadt. Nach einem Umweg brauchte der sensible Künstler allerdings noch einen Anlauf, doch ist das Ziel nun erreicht, ein Bubentraum erfüllt: Alain Mieg lädt als frei schaffender Kunstmaler ab Sonntag zur Ausstellung seiner Werke in seinem Haus in Lenzburg ein. Darauf habe er, gibt der Gastgeber offen zu, von Kindsbeinen an zielgerichtet hingearbeitet.

„Erblich belastet“ mit vielerlei musischen Talenten, hat er den eigenen Weg trotzdem suchen müssen. 1964 geboren, wuchs Alain Mieg in verträumten Häusern auf: Die Liegenschaft seiner Grosseltern am Lütisbuchweg hinter dem Gofi in Lenzburg war das erste Projekt des bekannten Zürcher Architekten Pierre Zoelly, welcher den damals wohl ultramodernen Bau 1948 für die sechsköpfige Familie Mieg „massgeschneidert“ hat und auch das heute noch unorthodoxe Nachbarhaus mit Tanzatelier für Charlotte Müller kreierte. Weitere Jugendjahre verbrachte Alain Mieg dann im Haus „Sonnenberg“; ja richtig, dem romantischen Wohnsitz des bekannten Komponisten, Malers und Autors Peter Mieg.

Selbstverständlich prägte diese Nähe das ganze Leben des Neffen, welcher jeweils mit dem geliebten Onkel zusammen im dunklen Hausgang sass und wie er kunstvoll arrangierter Stilleben aquarellierte. Im Gegensatz zum verständnisvoll das junge Talent freundlich fördernden „Lehrmeisters“, welcher Interieurs bevorzugte, wandte sich Alain Mieg schon damals lieber den Landschaften zu. „Ich suchte immer nach Ruhe, Weite und Offenheit“, erinnert er sich. Doch bis zum „créateur des rêves“, wie er sich heute bezeichnet, war noch ein weiter Weg.

Entgegen dem Rat seines Onkels, vorerst ein Studium zu ergreifen, absolvierte Alain Mieg eine Handwerkerlehre als Serigraf und Schriftenmaler. Die Faszination der Werbung („eine Traumwelt“) und Kommunikation liess ihn Ausbildung zum Werbeassistenten und Betriebsökonom folgen. Rund 12 Jahre lang war er in der Werbebranche und im Personalwesen tätig, ohne darob mit Kursen für Malerei und Fotografie an der Kunstgewerbeschule die künstlerische Seite zu vernachlässigen. Aus der Erkenntnis, dass er seine eigene Kreativität entwickeln und sich keinen Stil oktroyieren lassen will, suchte und fand Alain Mieg schliesslich den Weg als Autodidakt. Jetzt wurde die reine Malerei sein Broterwerb, das berufliche Ziel erreicht. Die Ausbildung aber half ihm, „am Boden zu bleiben, nicht über den Wolken zu schweben“.

Zur vollständigen Erfüllung des Bubentraums brauchte es indes noch einen weiteren Schritt: Zuerst musste Alain Mieg aus dem Schatten seines Onkels P.M. treten, ging deshalb bewusst auf Distanz, stellte in Bern, Zürich, St. Gallen, in Frankreich und in Niederlenz aus. Aber jetzt, wo er das Haus der Grosseltern erwerben, zurück zu den Wurzeln kommen konnte, kennt das Glück keine Grenzen.

Horizonte und Traumlandschaften

Auf den Bildern von Alain Mieg begegnen sich Himmel und Erde, nichts weiter. Doch was auf den ersten Blick als durch Weite und Unendlichkeit geprägte Landschaftsbilder mit grünen Feldern, dunkler Erde, tiefgründigen Ozeanen und hoch sich darüber türmenden Wolkenmeeren erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als sorgfältig konstruierte vielschichtige Gebilde, „Traumlandschaften“, wie sie der Künstler selber nennt. Die Basis bilden Eindrücke von Stimmungen, Lichtverhältnissen, Landschaften und dem grossen Gefühl der Freiheit, welche Alain Mieg von seinen Reisen mit der Harley nach Hause bringt und sie in regelmässigen Träumen verarbeitet. Im Atelier am Lütisbuchweg setzt er diese Traumbilder sozusagen im Massstab 1:1 auf die Leinwand um. Er lädt den Betrachter zum Einstieg in diese Meditationsbilder ein, sich in diesen harmonischen Projektionsflächen für Emotionen und Träume wieder zu finden, sich wohl und verstanden, Freiheit und Geborgenheit gleichzeitig zu geniessen.

Gelegenheit dazu besteht jetzt bei einem Atelierbesuch beim „créateur des rêves“ in seinem Traumhaus in Lenzburg, das mit Wandgemälden der Urgrossmutter und von Peter Mieg, den grossformatigen Tableaux von Alain Mieg sowie seiner unkonventionellen Architektur und dem historischen Mobiliar geradezu ein Gesamtkunstwerk bildet.

Horizonte und Traumlandschaften:

Ausstellung im Atelier von Alain Mieg am Lütisbuchweg 2 in Lenzburg; bis 30. November. Vernissage am Sonntag, 16. November, von 11 – 17 Uhr. Oeffnungszeiten Mi, 19, Fr 21., Mi 26., Fr 28. November von 14-18 Uhr; Sa 22., So 23., Sa 29., und So 30. November, von 11 – 17 Uhr. Do 20. November, „Licht und Wohnen“ auf Besuch. Oder nach telefonischer Vereinbarung unter 062 891 20 58 geöffnet. Weitere Informationen unter www.alainmieg.com.