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Aargauer Zeitung

12. November 2005

„Der über den Wolken schwebt“

Lenzburg. Alain Mieg, créateur des rêves, lädt zur 2. Atelierausstellung ein.

Von Heiner Halder

Vor zwei Jahren war die Zeit reif, sich in Lenzburg den Lenzburgern zu zeigen: Alain Mieg, Spross einer prominenten Künstlerfamilie, war zurück zu den Wurzeln gekommen, und nach einer angemessenen Aufwärmphase lud er zur Werkschau ins Grosselternhaus am Lütisbuchweg 2 ein, das ihm gleichermassen als Wohnraum, Atelier und Galerie dient. Wer jetzt wieder durch den Neben zur Anhöhe findet und in das Geschichte(n) geprägte, vom „créateur des rêves“ zum Gesamtkunstwerk gestaltete Traumhaus gelangt, wo die Wolkenbilder an den Wänden das grosse Grauen von draussen durch Wellness-Gefühle ersetzen, fragt sich vielleicht, was in den letzten zwei Jahren passiert ist.

Arrivierter Künstler

Seine Hauptthemen seien immer noch Horizonte und Traumlandschaften, hält Alain Mieg fest. Die neue Ausstellung steht unter dem Titel „ Himmel und Wolken“. Er sei übers Nebelmeer in die Luft gestiegen, lacht der Künstler aus aktuellem Anlass: „Ich schwebe über den Wolken.“ Trotzdem ist Alain Mieg durchaus mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben. Er hat die Zeit genutzt für Ausstellungen in Ottenbach, Zug, Winterthur, Zürich und – in New York; der Drang nach Weite und Ferne lässt den Lenzburger eben nicht los. Er erarbeitete einen Werkkatalog.

Die „Schweizer Illustrierte“ portraitierte ihn unter „die Besten“. Alain Mieg ist zweifellos ein „ Arrivierter“. Er ist angekommen, nicht nur zurück in Lenzburg, sondern auch bei den Leuten, und in der Branche. „Erblich belastet“, hat er als Autodidakt seinen Weg gefunden, und als Aussenseiter im bildnerischen Mainstraeam Anerkennung.

Meditative „Kraftorte“

Die Malereien, welche zwar ein weites Feld der Naturbeobachtung einschliessen, Himmel und Erde, Wasser und Luft zum Inhalt haben, und welche dank den in Lasuren aufgetragenen Acrylfarben bei wechselnden Lichtverhältnissen immer wieder neue und durchaus natürliche Eindrücke von Morgen- und Abendstimmungen vermitteln, bezeichnet Alain Mieg allerdings als innere Landschaften. „Gefundene Zufluchtsorte“, nach denen sich der Künstler sehnt und darin seine grosse Freiheit findet. „Symbol für diese Freiheit ist der Himmel, der mit sich verändernden Wolkengebilden Inspiration und Quelle der Ruhe, aber auch Kraft ist“, erklärt der Traum-Kreateur seinen Antrieb. Bei den neuen Bildern schweifen die Blicke oft über die Wolken hinweg, scheinen von oben über die Wolkenmeere zu gleiten. Dort findet Mieg Freiheit, Ruhe und Weite. Seine Arbeiten, sagt der Künstler, seien Projektionsflächen, die auch dem Betrachter eigene Welten erscheinen lassen. Wer sich ihnen anvertraue, sie zu sehen und zu verstehen beginnt, werde für die beruhigende Kraft des Himmels sensibilisiert. Meditative Bilder, „Kraftorte“ also. Die nicht nur in die Höhe und in die Weite greifen, sondern auch in die Tiefe der menschlichen Seele, die sich dem durchaus auch sichtbaren Sog nicht entziehen kann. Sie strahlen, unterstützt von der Farbskala differenzierter Blautöne von Himmel und Wasser, von warmen Erdfarben und dem feurigen Rot und Gold der Sonne, grosse Ruhe aus.

 

Offene Türen

In den Räumen des Atelierhauses verteilt präsentiert Alain Mieg vom Sonntag, 13. November (11-17 Uhr Vernissage), bis Sonntag 27. November, 50 neue, meist grossformatige Bilder.

Öffnungszeiten:

jeweils Mittwoch, Freitag 14-18 Uhr, Donnerstag 14-20 Uhr, Samstag und Sonntag 11 –17 Uhr.